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Strategie

Gibt es in 10 Jahren noch Smartphones? Smart Glasses, Uhren und KI als mögliche Nachfolger

Kaum eine Technologie hat unseren Alltag so vollständig übernommen wie das Smartphone. Und kaum eine Branche redet so gerne davon, dass es bald verschwindet. Was davon belegbar ist – und was Spekulation bleibt.

Philipp ScheidPhilipp Scheid
Geschäftsführung · August 2026 · 12 Min. Lesezeit
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Kaum eine Technologie hat unseren Alltag so vollständig übernommen wie das Smartphone. Und kaum eine Branche redet so gerne davon, dass es bald verschwindet. Beides stimmt gleichzeitig – nur nicht so, wie es meistens erzählt wird. Dieser Artikel sortiert, was heute wirklich funktioniert, was in Entwicklung ist und was Spekulation bleibt.

Kurzantwort
Ja, in zehn Jahren wird es noch Smartphones geben – aber sie werden nicht mehr das einzige Zentrum des digitalen Alltags sein. Wahrscheinlicher als ein Nachfolgegerät ist eine Entbündelung: Smart Glasses, Uhren, Kopfhörer und KI-Assistenten übernehmen einzelne Funktionen, während das Smartphone zur Rechen- und Verbindungszentrale im Hintergrund wird.
Key Takeaways
Die Nutzung steigt, der Absatz nicht: Laut Bitkom nutzen Menschen in Deutschland ihr Smartphone 2026 durchschnittlich 180 Minuten pro Tag – 2024 waren es rund 150. Gleichzeitig erwartet IDC für 2026 den stärksten Absatzrückgang der Smartphone-Geschichte.
Smart Glasses sind aktuell der einzige Kandidat mit echtem Volumenwachstum: IDC zählte allein im ersten Quartal 2026 rund 2,25 Millionen displaylose Modelle.
Die realistische Entwicklung ist keine Ablösung, sondern eine Entbündelung von Funktionen auf mehrere Geräte.
Die härtesten Grenzen sind nicht Software, sondern Physik: Akku, Abwärme, Optik und Gewicht.
Für Unternehmen ist die wichtigere Frage nicht das Gerät, sondern die Schnittstelle: Wer gefunden werden will, muss auch dort auffindbar sein, wo eine KI antwortet statt einer Ergebnisliste.

Warum die Frage 2026 ernst zu nehmen ist

Die Frage nach dem Ende des Smartphones ist alt. Neu ist, dass sich zwei Kurven zum ersten Mal gegenläufig entwickeln.

Auf der Nutzungsseite gibt es keinerlei Ermüdung. Der Digitalverband Bitkom kam in seiner repräsentativen Befragung im März 2026 auf durchschnittlich 180 Minuten tägliche Smartphone-Nutzung in Deutschland, gegenüber rund 150 Minuten im Jahr 2024. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 216 Minuten, bei den über 65-Jährigen immerhin noch 113. Bemerkenswert ist die Verteilung: Nur 26 Minuten entfallen auf klassisches Telefonieren. Das Gerät heißt Telefon, wird aber längst als etwas anderes benutzt.

Auf der Marktseite sieht es anders aus. IDC prognostiziert für 2026 einen Rückgang der weltweiten Smartphone-Auslieferungen um 13,9 Prozent auf rund 1,09 Milliarden Geräte – laut IDC der stärkste Einbruch, den der Markt je gesehen hat. Hauptgrund ist keine Nachfrageschwäche nach mobiler Technik, sondern eine Speicherknappheit, die die Herstellkosten nach oben treibt. Der durchschnittliche Verkaufspreis klettert dadurch auf einen Rekordwert von rund 550 US-Dollar.

Hier liegt der entscheidende Punkt: Das Smartphone verliert nicht an Bedeutung, es wird teurer und länger genutzt. Das ist ein völlig anderes Szenario als ein Verschwinden – und es öffnet trotzdem ein Fenster für neue Geräteklassen.

Tägliche Smartphone-Nutzung in Deutschland
2024
150 Minuten
2026
180 Minuten
Quelle: Bitkom, repräsentative Befragung, März 2026

Was ein Smartphone eigentlich ist – und warum das die Antwort bestimmt

Ein Smartphone ist kein Gerät, sondern ein Bündel. In einem Gehäuse stecken mindestens neun Funktionen, die früher getrennte Produkte waren:

  • hochauflösendes Display
  • Kamera
  • Rechenleistung
  • Mobilfunk- und WLAN-Verbindung
  • Akku als Energiequelle für alles Genannte
  • Zahlungsmittel
  • Identitäts- und Authentifizierungsgerät
  • Speicher
  • App-Ökosystem mit Distribution und Bezahlsystem

Wer fragt, ob das Smartphone verschwindet, fragt also in Wahrheit: Lassen sich diese neun Funktionen sinnvoll auf andere Geräte verteilen? Und die Antwort fällt je nach Funktion sehr unterschiedlich aus.

Sprachausgabe, Benachrichtigungen, Navigation, Übersetzung und einfache Assistenzaufgaben lassen sich gut auslagern. Ein 6-Zoll-Display mit voller Auflösung, ein Tagesakku und ein leistungsfähiger Prozessor lassen sich derzeit nicht in eine Brille packen, die auch nach vier Stunden noch angenehm sitzt.

Genau deshalb ist die realistische Prognose kein Nachfolger, sondern eine Entbündelung.

Smart Glasses: der ernsthafteste Kandidat

Smart Glasses sind 2026 die einzige neue Geräteklasse mit echten Stückzahlen. Nach IDC-Daten wurden im ersten Quartal 2026 weltweit rund 2,25 Millionen displaylose Smart Glasses ausgeliefert – ein Plus von 167 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und ungefähr so viel, wie die gesamte Kategorie im Jahr 2024 insgesamt erreichte. Brillen und Headsets mit Display wuchsen im selben Zeitraum um 86 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet IDC rund 13,6 Millionen Smart Glasses und bis 2030 etwa 27,3 Millionen.

Das ist beeindruckendes Wachstum – und trotzdem eine Größenordnung, die neben rund 1,09 Milliarden Smartphones klein wirkt. Beide Zahlen gehören zusammen, wenn man die Lage realistisch einschätzen will.

Meta dominiert die Kategorie deutlich. IDC weist für das erste Quartal 2026 einen Marktanteil von 69,2 Prozent aus, getragen von der Partnerschaft mit EssilorLuxottica. Nach Angaben des Brillenkonzerns wurden 2025 über sieben Millionen Ray-Ban- und Oakley-Meta-Modelle verkauft. Der auffälligste Erfolgsfaktor ist dabei nicht die Technik: IDC führt die Dominanz vor allem darauf zurück, dass Menschen diese Brillen in der Öffentlichkeit tragen, ohne sich unwohl zu fühlen. An genau dieser Hürde ist die Kategorie ein Jahrzehnt lang gescheitert.

Mit der Meta Ray-Ban Display existiert seit September 2025 auch ein Modell mit Bildschirm in der Linse: 799 US-Dollar inklusive Neural Band, ein Sichtfeld von rund 20 Grad, sehr hohe Helligkeit für den Außeneinsatz, dafür etwa sechs Stunden gemischte Nutzung. Der geplante Start in Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada wurde verschoben, weil die Produktion des optischen Wellenleiters die Nachfrage nicht decken konnte. Das ist ein aufschlussreiches Detail: Die Begrenzung liegt in der Fertigung von Präzisionsoptik, nicht in der KI.

Google hat auf der I/O im Mai 2026 seine Intelligent Eyewear gezeigt – Modelle von Warby Parker und Gentle Monster auf Basis von Android XR mit Gemini, angekündigt für den Herbst 2026. Die erste Generation ist ausdrücklich audio-only, also ohne Display, und arbeitet als Begleitgerät zum Smartphone.

Apple hat offiziell nichts angekündigt. Nach Berichten von Bloomberg-Journalist Mark Gurman arbeitet das Unternehmen an einer displaylosen Brille (intern N50) und hat den Zeitplan zuletzt Richtung Ende 2027 verschoben, weil die visuellen KI-Funktionen noch nicht überzeugen. Diese Angaben sind Berichterstattung, keine bestätigten Fakten – und Zeitpläne dieser Art verschieben sich erfahrungsgemäß.

Was alle drei gemeinsam haben, ist bemerkenswert: Die erste ernstzunehmende Generation kommt ohne Display und ohne eigene Rechenzentrale. Sie ist ein Zubehör zum Smartphone, kein Ersatz.

AnsatzStand Mitte 2026Rolle gegenüber dem Smartphone
Audio-/KI-Brille ohne DisplaySerienreif, im MassenmarktZubehör, entlastet den Griff zum Gerät
Brille mit kleinem DisplayErste Serienprodukte, knappe StückzahlenZubehör mit erweiterter Anzeige
AR-Brille mit großem SichtfeldPrototypen, EntwicklerhardwareNoch kein Alltagsprodukt
Mixed-Reality-HeadsetVerfügbar, NischenmarktKein mobiler Begleiter
Weltweite Auslieferungen 2026 im Größenvergleich
Smartphones
rund 1.090 Mio. Geräte
Smart Glasses
rund 13,6 Mio. Geräte
Prognosen: IDC, 2026

Smartwatch und Ohr: die stillen Kandidaten

Während über Brillen gesprochen wird, findet die tatsächliche Entlastung des Smartphones seit Jahren am Handgelenk und im Ohr statt.

Die Smartwatch hat mit eSIM, Bezahlfunktion, Notruf und Gesundheitssensorik bereits einen Teil der Funktionen übernommen, für die früher zwingend das Telefon nötig war. Der Markt ist dabei erstaunlich unspektakulär: IDC erwartet für 2026 rund 159,7 Millionen Smartwatches und damit ein leichtes Minus von 2,8 Prozent, ebenfalls beeinflusst von der Speicherknappheit und gestiegenen Preisen.

Deutlich größer ist die Kategorie der Kopfhörer: IDC prognostiziert für 2026 rund 407,6 Millionen ausgelieferte Hearables. In diese Geräte wandern zunehmend Assistenzfunktionen, Live-Übersetzung und Gesundheitsmessung.

Was häufig unterschätzt wird: Ein KI-Assistent im Ohr braucht kein Display, keine neue Optik und keine gesellschaftliche Debatte über Kameras. Er ist deshalb der leiseste, aber wahrscheinlich wirksamste Weg, Bildschirmzeit zu reduzieren.

KI-Geräte ohne Display: warum die erste Generation gescheitert ist

2024 traten mehrere Geräte an, das Smartphone durch reine KI-Interaktion zu ersetzen. Sie sind kommerziell gescheitert – und die Gründe sind lehrreich, weil sie sich nicht in Luft aufgelöst haben.

Ein KI-Gerät ohne Bildschirm muss drei Dinge gleichzeitig lösen: Es muss zuverlässig verstehen, was gemeint ist. Es muss schneller sein als das Herausziehen des Telefons. Und es muss ohne Display Ergebnisse vermitteln, die sich visuell viel einfacher zeigen ließen – eine Liste, eine Karte, ein Foto, ein Preisvergleich.

OpenAI arbeitet mit Jony Ive an eigener Hardware; das Design-Unternehmen io wurde im Mai 2025 übernommen. Nach Gerichtsunterlagen vom Februar 2026 wird das erste Gerät nicht vor Februar 2027 ausgeliefert. Berichten zufolge soll es sich beim ersten Produkt nicht um ein mobiles Gerät, sondern um einen stationären Lautsprecher mit Kamera handeln, Brillen sollen später folgen.

Auch das ist eine Aussage über den Reifegrad der Kategorie: Wer heute ein KI-Gerät baut, beginnt bewusst nicht dort, wo das Smartphone am stärksten ist.

Sprache, Gesten, Neuro-Signale: die Bedienung verändert sich zuerst

Interessanter als die Frage nach dem Gerät ist die Frage nach der Bedienung. Und hier passiert 2026 tatsächlich Neues.

Metas Neural Band liest per Oberflächen-Elektromyografie feine elektrische Signale der Unterarmmuskulatur aus und übersetzt kleine Finger- und Handbewegungen in Befehle. Das ist keine Gedankensteuerung, sondern das Abgreifen einer Bewegungsabsicht, kurz bevor sie sichtbar wird. Praktisch bedeutet es: Steuerung ohne Sprachbefehl, ohne sichtbare Geste, ohne Bildschirm.

Echte Brain-Computer-Interfaces sind davon weit entfernt. Neuralink hatte nach eigenen Angaben Anfang 2026 rund 21 Studienteilnehmer, im Verlauf des Jahres wurde über weitere Implantationen berichtet. Es handelt sich um klinische Studien mit schwer betroffenen Patientinnen und Patienten, etwa nach Querschnittslähmung. Kein BCI ist 2026 als Konsumgerät verfügbar, und keine seriöse Quelle stellt das für die kommenden zehn Jahre in Aussicht.

Wer BCIs im Marketingkontext als kommendes Werbemedium diskutiert, verwechselt Medizintechnik mit Consumer-Elektronik.

Vier harte Grenzen, die selten diskutiert werden

Der Grund, warum Smart Glasses das Smartphone nicht kurzfristig ersetzen, ist selten Software. Es sind vier physikalische Probleme.

Energie. Ein Smartphone-Akku hat je nach Modell grob das Zehn- bis Zwanzigfache der Kapazität, die in einen Brillenbügel passt. Rechenintensive KI-Funktionen verbrauchen genau dort am meisten Energie, wo am wenigsten Platz ist.

Wärme. Ein warmes Gerät in der Hosentasche ist unangenehm. Ein warmes Gerät an der Schläfe ist untragbar. Diese Grenze ist strenger als jede Software-Optimierung.

Optik. Ein Bild im Sichtfeld zu erzeugen, ohne die Sicht zu verschlechtern, erfordert Wellenleiter mit sehr geringen Fertigungstoleranzen. Die Verzögerung beim internationalen Start der Meta Ray-Ban Display zeigt, dass die Produktion dieser Optik der aktuelle Engpass ist.

Gewicht und Sitz. Bei einer Brille entscheiden wenige Gramm über Alltagstauglichkeit. Jede zusätzliche Funktion kostet Gewicht an der empfindlichsten Stelle des Körpers.

Diese vier Punkte lassen sich schrittweise verbessern. Aber sie erklären, warum die Entwicklung in Generationen von Jahren verläuft, nicht in Quartalen.

Datenschutz und Akzeptanz: die unterschätzte Bremse

Die größte Unsicherheit ist rechtlich und gesellschaftlich, nicht technisch.

Sobald eine Brille Personen aufnimmt, verarbeitet sie personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Die sogenannte Haushaltsausnahme, die private Aufnahmen im familiären Kontext ausnimmt, greift nach der Rechtsprechung nicht mehr, wenn Aufnahmen den öffentlichen Raum erfassen oder verbreitet werden. Hinzu kommt in Deutschland das Recht am eigenen Bild.

Praktisch ist das ungelöst. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hat öffentlich kritisiert, dass die kleine Aufnahme-LED an Kamerabrillen im Alltag schlicht nicht auffällt – wer nichts bemerkt, kann auch nicht widersprechen. Einzelne Kommunen haben reagiert und Smart Glasses etwa in Schwimmbädern über die Hausordnung untersagt. Auf europäischer Ebene wurde 2026 gefordert, das Zusammenspiel von DSGVO und KI-Verordnung für KI-fähige Brillen zu klären.

Für Unternehmen ist das keine ferne Debatte. Wer Kundengespräche führt, Patientendaten verarbeitet oder Produktionsabläufe schützt, sollte den Umgang mit Kamerabrillen im Haus geregelt haben – über Hausrecht, Besucherregeln und, bei betrieblichem Einsatz, eine Datenschutz-Folgenabschätzung.

Diese Reibung wird die Verbreitung bremsen. Sie wird sie nicht verhindern.

Was zuerst ersetzt wird – und was zuletzt

Nützlicher als eine Ja-oder-Nein-Prognose ist die Frage, welche Funktionen wandern. Das Muster ist eindeutig: Es wandert, was kurz, beiläufig und beidhändig unpraktisch ist. Es bleibt, was Fläche, Präzision oder Zeit braucht.

FunktionAblösung bis 2036Begründung
Kurze Sprachanfragen, AssistenzHochBraucht kein Display, funktioniert bereits
Navigation zu FußHochWenige Informationen, klarer Nutzen im Sichtfeld
Übersetzung und UntertitelHochSituativ, kurzlebig, ohne Bildschirmbedarf
Benachrichtigungen filternHochUhr und Ohr können das heute schon
Beiläufige Fotos und VideosMittel bis hochBereits Standardfunktion, rechtlich strittig
Bezahlen und IdentifizierenMittelSicherheitsanforderungen, Uhr als Alternative
Medienkonsum, Video, GamingNiedrigBraucht Fläche, Auflösung und Akku
Längeres Schreiben und ArbeitenNiedrigEingabe bleibt das ungelöste Problem
Fotobearbeitung, DetailarbeitNiedrigPräzision erfordert ein großes Display

Einordnung: verfügbar, in Entwicklung, denkbar, spekulativ

Ein großer Teil der öffentlichen Debatte vermischt Produkte, die man heute kaufen kann, mit Technologien, die es noch nicht gibt. Diese Trennung ist die wichtigste Grundlage für jede Einschätzung.

TechnologieEinordnung Stand August 2026
KI-Brille ohne DisplayVerfügbar, im Massenmarkt
Brille mit kleinem Display in der LinseVerfügbar, sehr begrenzte Stückzahlen
Gestensteuerung per Muskelsignal am HandgelenkVerfügbar als Teil eines Produkts
Smartwatch mit eigenständiger MobilfunkverbindungVerfügbar
KI-Assistent als eigenständiges mobiles GerätIn Entwicklung, erste Generation gescheitert
AR-Brille mit großem Sichtfeld für den AlltagIn Entwicklung
Brille als vollwertiger Smartphone-ErsatzRealistisch denkbar, nicht vor Ende der Dekade
Brain-Computer-Interface als KonsumproduktSpekulation
Vollständiges Verschwinden des Smartphones bis 2036Spekulation

Drei Szenarien für 2030 und 2036

Die folgenden Szenarien sind Einschätzungen auf Basis der genannten Marktdaten, keine belegten Prognosen.

Szenario 1: Entbündelung (aus heutiger Sicht am wahrscheinlichsten). Bis 2030 tragen viele Menschen zusätzlich eine KI-Brille oder KI-Kopfhörer. Das Smartphone bleibt, wird aber seltener in die Hand genommen und länger behalten. Bis 2036 verschiebt sich ein spürbarer Teil der Alltagsinteraktion vom Bildschirm weg – ohne dass das Gerät verschwindet.

Szenario 2: Verzögerung. Optikfertigung, Akkutechnik und Datenschutzkonflikte bremsen stärker als erwartet. Smart Glasses bleiben ein erfolgreiches Zubehör, verändern aber die Mediennutzung nur am Rand. Das Smartphone bleibt bis 2036 unangefochten.

Szenario 3: Plattformwechsel. Ein Anbieter löst Display, Energie und Bedienung überzeugend und koppelt das an ein Betriebssystem samt Bezahl- und App-Ökosystem. Dann beginnt tatsächlich eine Ablösung – realistisch aber erst am Ende des Zeitraums, weil ein neues Ökosystem Jahre braucht, nicht Monate.

In allen drei Szenarien existiert das Smartphone 2036 noch. Der Unterschied liegt darin, wie zentral es ist.

Was das heute für Unternehmen bedeutet

Die praktische Konsequenz ist nicht, jetzt in Hardware zu investieren. Sie liegt woanders.

Die Schnittstelle verändert sich vor dem Gerät. Wer eine Frage in eine Brille oder einen Kopfhörer spricht, bekommt keine Ergebnisliste mit zehn blauen Links. Er bekommt eine Antwort. Das passiert bereits heute in KI-Übersichten und Antwortsystemen – völlig unabhängig davon, welche Hardware sich durchsetzt. Wie Inhalte für solche Systeme aufbereitet werden, haben wir im Beitrag zu Generative Engine Optimization ausführlich beschrieben.

Daraus folgen drei Dinge, die sich sofort umsetzen lassen:

  • Inhalte müssen maschinell entnehmbar sein: klare Frage-Antwort-Strukturen, saubere Überschriften, eindeutige Definitionen, strukturierte Daten. Ein Text, aus dem sich keine klare Aussage extrahieren lässt, taucht in einer gesprochenen Antwort nicht auf.
  • Unternehmensdaten müssen konsistent sein: Name, Adresse, Öffnungszeiten, Leistungen, Bewertungen – über alle Quellen hinweg identisch. Sprachbasierte Assistenz liefert genau eine Antwort, keine Auswahl. Wie das lokal funktioniert, zeigt unser Beitrag zu Local SEO für Handwerk und Dienstleister.
  • Lokale und situative Suchanfragen gewinnen: Wer unterwegs fragt, fragt nach Nähe, Verfügbarkeit und Öffnungszeit. Diese Anfragen sind heute schon da und werden mit tragbaren Assistenten häufiger.

Was sich dagegen nicht lohnt: eigene Brillen-Apps, AR-Erlebnisse ohne Nutzen und Budget für eine Plattform mit weltweit einstelligen Millionen-Stückzahlen. Der wirtschaftliche Hebel liegt 2026 nicht im neuen Gerät, sondern in der Frage, ob deine Inhalte und Daten für Antwortsysteme überhaupt verwertbar sind.

Fazit

Das Smartphone wird in zehn Jahren noch existieren, aber weniger dominant sein. Die Zahlen von 2026 zeigen ein Gerät, das intensiver genutzt und gleichzeitig seltener gekauft wird – und daneben eine neue Kategorie, die schnell wächst, aber von einer sehr kleinen Basis aus.

Wer die Entwicklung ernst nimmt, sollte weder auf einen Bruch wetten noch ihn ignorieren. Der belastbare Teil der Entwicklung ist bereits sichtbar: Ein wachsender Anteil digitaler Interaktion läuft über gesprochene Antworten statt über Bildschirme. Wer dafür heute seine Inhalte, Daten und Auffindbarkeit sauber aufstellt, ist unabhängig davon vorbereitet, welches Gerät sich am Ende durchsetzt.

Ist dein Marketing auf KI-Antworten vorbereitet?

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Häufige Fragen zur Zukunft des Smartphones
Verschwinden Smartphones bis 2036 komplett?
Danach sieht es nicht aus. Kein aktuell verfügbares oder angekündigtes Gerät ersetzt Display, Akkulaufzeit, Rechenleistung und App-Ökosystem gleichzeitig. Realistisch ist eine Verschiebung einzelner Funktionen, keine Ablösung.
Sind Smart Glasses schon alltagstauglich?
Für Musik, Anrufe, Fotos, Übersetzung und einfache KI-Anfragen ja. Für alles, was ein Display braucht, nicht. Modelle mit Bildschirm existieren, sind aber teuer und nur begrenzt verfügbar.
Warum sinkt der Smartphone-Absatz, wenn die Nutzung steigt?
Weil der Rückgang von der Angebotsseite kommt. IDC führt den erwarteten Einbruch 2026 vor allem auf eine Speicherknappheit zurück, die Geräte verteuert und Käufe verzögert – nicht auf nachlassendes Interesse.
Kommt eine Apple-Brille?
Apple hat nichts angekündigt. Es gibt konsistente Berichterstattung über eine displaylose Brille mit einem Zeitplan Richtung Ende 2027. Das sind Berichte, keine Zusagen.
Ersetzt die Smartwatch das Smartphone?
Für einzelne Aufgaben ja: Bezahlen, Anrufe, Notruf, Gesundheitsdaten. Für Medienkonsum, längeres Schreiben und alles, was Fläche braucht, nicht.
Sind Kamerabrillen in Deutschland erlaubt?
Der Besitz ja. Die Nutzung ist an Datenschutz und das Recht am eigenen Bild gebunden. Sobald identifizierbare Personen im öffentlichen Raum aufgenommen oder Aufnahmen verbreitet werden, greifen die Pflichten der DSGVO. Einzelne Hausordnungen untersagen die Geräte bereits.
Sollten wir jetzt in Smart-Glasses-Marketing investieren?
In den meisten Fällen nicht. Sinnvoller ist es, Inhalte und Unternehmensdaten so aufzubereiten, dass KI-Systeme sie korrekt wiedergeben können. Dieser Nutzen entsteht sofort und bleibt unabhängig vom Gerät bestehen.
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Geschäftsführer der Klickrebellen. Mit seinem Team begleitet er kleine und mittelständische Unternehmen als externe Marketing-Abteilung – von Google Ads über Tracking bis Strategie.
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