Website-Relaunch planen: Ablauf, Kosten-Treiber und typische Fehler
Wie du einen Relaunch strukturiert vorbereitest, den Aufwand realistisch einschätzt und deine Rankings beim Umzug sicherst.
Wie du einen Relaunch strukturiert vorbereitest, den Aufwand realistisch einschätzt und deine Rankings beim Umzug sicherst.
Ein Website-Relaunch bindet Budget, Zeit und Aufmerksamkeit im ganzen Unternehmen. Er entscheidet darüber, ob deine Website danach mehr leistet oder erst einmal Sichtbarkeit verliert. Häufig liegen die Probleme nicht im Design, sondern in der Planung: bei unklaren Zielen, unterschätzten Inhalten und vergessenen Weiterleitungen. Dieser Leitfaden zeigt dir den Ablauf, die wichtigsten Kosten-Treiber und die Fehler, die du vermeiden kannst.
TL;DR
Ein Website-Relaunch gelingt, wenn Ziele und URL-Bestand vor dem Design feststehen. Plane Content-Migration und Weiterleitungen als eigene Arbeitspakete mit Zeit und Budget ein und miss nach dem Go-live, ob Rankings, Traffic und Anfragen mitgezogen sind. Die Kosten hängen unter anderem an Umfang, Technikwechsel, individuellem Design und neuen Inhalten.
Ein Website-Relaunch ist eine umfassende Überarbeitung einer bestehenden Website [1]. Er betrifft meist mehrere Ebenen gleichzeitig: Struktur, Design, Inhalte und Technik. Lohnend ist er, wenn die bisherige Website ihre Aufgabe grundsätzlich nicht mehr erfüllt – nicht schon dann, wenn einzelne Seiten schwächeln.
Nicht jedes Projekt, das „Relaunch“ heißt, ist einer. Ist die technische Basis aktuell und muss nur das Webdesign angepasst werden, spricht man von einem Redesign [2]. Ein rein technischer Relaunch bringt die Website dagegen auf neue technische Standards [2]. Der klassische Relaunch verbindet meist beides und braucht entsprechend mehr Planung.
Die Unterscheidung ist mehr als Begriffsklauberei. Sie bestimmt, welche Fachleute du brauchst und wie viel sich für Nutzer:innen und Suchmaschinen auf einmal ändert.
Typische Anzeichen sind ein veraltetes CMS, ein veraltetes Responsive Design, langsame Ladezeiten oder ein Auftritt, der nicht mehr zur aktuellen Markenpositionierung passt [1]. Bevor du entscheidest, lohnt eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wie du deine Website ohne Vorkenntnisse prüfst, zeigt unsere Checkliste zum Prüfen deiner Website.
Ist nur der Content veraltet und läuft die Technik solide, ist ein kompletter Relaunch überdimensioniert. Content-Updates, neue Landingpages oder das Redesign einzelner Seitentypen sind dann schneller, günstiger und risikoärmer [3]. Schrittweise Verbesserungen lassen sich zudem schneller umsetzen und feiner nachjustieren [2]. Der Haken am großen Wurf: Wird zu viel auf einmal verändert, können Nutzer:innen und Suchmaschinen zumindest kurzzeitig überfordert sein [2].
Ein Relaunch folgt einer festen Abfolge von der Analyse bis zur Erfolgskontrolle. OMR beschreibt zehn Schritte: Ist-Zustand analysieren, Ziele und Fokus definieren, Informationsarchitektur entwickeln, Design planen, Content analysieren und migrieren, technische Umsetzung, SEO-Maßnahmen, Testen, Go-live und Ergebnisse überwachen [1]. Für die Planung hilft es, diese Schritte in fünf Phasen zu bündeln.
Früh im Projekt steht eine klare Zielanalyse [4]. Was soll die neue Website besser können: mehr Anfragen bringen, Bewerbungen erleichtern, weniger Pflegeaufwand verursachen? Parallel erfasst du den Ist-Zustand. Ein Onpage-Crawl sichert die bestehende Seitenstruktur und ist die Voraussetzung dafür, später lückenlose Weiterleitungen einzurichten [5]. Einen schnellen Überblick über Stärken und Schwächen deiner jetzigen Seite liefert auch ein kostenloser Webseiten-Check.
Aus den Zielen leitest du die Informationsarchitektur ab: Welche Seiten braucht es, wie hängen sie zusammen, welche Wege gehen Besucher:innen? Erst danach folgt das Design. Wer mit Entwürfen beginnt, bevor Struktur und Inhalte klar sind, plant häufig doppelt.
Ein Content-Audit zeigt, wo Inhalte fehlen und welche Potenziale im Bestand stecken [4]. Danach entscheidest du pro Seite: übernehmen, überarbeiten, zusammenführen oder streichen. Parallel entsteht die technische Umsetzung, idealerweise auf einer Staging-Umgebung, die für Suchmaschinen gesperrt ist. Warum das wichtig ist, erklärt der Abschnitt zu den typischen Fehlern.
Vor dem Go-live prüfst du technische Funktionen, Usability und Content [4]. Den Umzug selbst legst du nach Möglichkeit in eine Phase mit wenig Traffic [6]. Plane auch die Serverlast ein: Nach einer Migration crawlt Google die neue Website vorübergehend stärker als üblich [6].
Der Relaunch endet nicht mit dem Go-live. In den Wochen danach beobachtest du Indexierung, Rankings, Traffic und Anfragen und vergleichst sie mit dem Stand vor dem Umzug. Wie du dafür sorgst, dass deine Rankings den Umzug überstehen, zeigt der Abschnitt zur Ranking-Sicherung.
Je nach Umfang dauert ein Website-Relaunch etwa einen bis acht Monate [1]. Für ein typisches Mittelstandsprojekt mit 20 bis 60 Seiten, individuellem Design und Content-Migration nennt eine Agentur acht bis 16 Wochen [3]. Die Spanne ist groß, weil Seitenzahl, Abstimmungswege und Content-Aufwand stark variieren.
Wichtig für deine Zeitplanung: Mit dem Go-live ist die Arbeit für Google noch nicht abgeschlossen. Bei mittelgroßen Websites kann es einige Wochen oder mehr dauern, bis Google schrittweise die neuen statt der alten URLs anzeigt; bei großen Websites dauert es noch länger [6]. Plane diese Phase als Beobachtungszeitraum ein, nicht als Puffer für offene Restarbeiten.
Was ein Relaunch kostet, hängt weniger an einer Pauschale als an einigen wenigen Treibern. Zu den Kostenfaktoren zählen der Seitenumfang, ein möglicher CMS-Wechsel und die Entwicklung eines individuellen Designs [1], außerdem zusätzliche Funktionen wie Formulare oder Schnittstellen sowie die SEO-Absicherung [1]. Nach Erfahrung des OMR-Autors wird der Aufwand für die Content-Migration am häufigsten unterschätzt [1].
Jede Seite muss konzipiert, gestaltet, befüllt, getestet und gegebenenfalls weitergeleitet werden. Mehr Seiten bedeuten deshalb mehr Aufwand in fast allen Phasen.
Jede zusätzliche Sprache erhöht den Aufwand für Content und Entwicklung spürbar [3].
Wechselst du das System [1], müssen Inhalte, Vorlagen und Funktionen neu aufgebaut oder übertragen werden. Auch zusätzliche Funktionen wie Formulare oder Schnittstellen zu anderen Systemen zählen zu den Kostenfaktoren [1].
Ein individuelles Design ist bei den Designkosten deutlich aufwendiger als ein Template [3]. Dafür passt es genauer zur Marke. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie stark sich deine Website von anderen Anbietern abheben muss.
Neue Texte, Fotos und Videos machen oft einen spürbaren Teil des Gesamtbudgets aus [3]. Auch reine Übernahmen kosten Zeit: Inhalte müssen geprüft, gekürzt, neu verlinkt und in neue Vorlagen übertragen werden. Aus Sicht des OMR-Autors ist die Content-Migration zugleich die Phase, die am häufigsten zu Verzögerungen führt [1].
Ein Teil des Aufwands liegt bei dir im Haus: Fachabteilungen liefern Inhalte, prüfen Texte und geben frei. Als Ursachen für Verzögerungen nennt OMR verspätete Inhalte und zu viele aufeinanderfolgende Freigabeschleifen, bei denen mehrere Entscheider:innen einzeln abnehmen [1]. Klare Zuständigkeiten und Termine helfen, den Go-live zu halten.
Die folgenden Fragen ersetzen kein Angebot. Sie helfen dir, den Aufwand vor dem ersten Gespräch einzuordnen. Die Auswertung beruht auf Annahmen und ist bewusst qualitativ.
| Frage | Ein „Ja“ bedeutet … |
|---|---|
| Wechselst du das CMS oder die technische Basis? | Inhalte und Funktionen müssen übertragen oder neu gebaut werden. |
| Brauchst du ein individuelles Design statt eines Templates? | mehr Gestaltungs- und Abstimmungsaufwand |
| Müssen Inhalte neu erstellt statt übernommen werden? | Text-, Foto- und Videoproduktion als eigenes Arbeitspaket |
| Kommen Sprachen hinzu? | mehr Content- und Entwicklungsaufwand je Sprache |
| Gibt es Schnittstellen zu anderen Systemen? | zusätzliche Entwicklung und Tests |
| Ist intern offen, wer Inhalte liefert und freigibt? | Risiko für späte Inhalte und lange Freigabeschleifen |
Rankings sicherst du, indem jede alte URL ein klares neues Ziel bekommt und per serverseitiger, permanenter Weiterleitung dorthin führt. Genau das empfiehlt Google [6]. Vorübergehende Ranking-Schwankungen während des Umzugs sind trotzdem zu erwarten [6].
Grundlage ist eine vollständige Liste der alten URLs, etwa aus einem Onpage-Crawl [5]. Für jede alte URL legst du fest, wohin sie weiterleiten soll [6]. Das Ergebnis ist eine Zuordnungstabelle, das URL-Mapping, die Entwicklung und SEO gemeinsam pflegen. Wie gut deine Website aktuell gefunden wird, zeigt dir vorab ein SEO-Check.
Google empfiehlt serverseitige permanente Weiterleitungen von den alten auf die neuen URLs [6]. Bei permanenten Weiterleitungen zeigt Google in den Suchergebnissen das neue Ziel, bei temporären die Ausgangsseite [7]. JavaScript-Weiterleitungen solltest du nur nutzen, wenn serverseitige oder Meta-Refresh-Weiterleitungen nicht möglich sind [7]. Die Weiterleitungen bleiben so lange wie möglich bestehen, in der Regel mindestens ein Jahr [6].
Weiterleitungen fangen alte Links ab, ersetzen aber keine saubere neue Website. Stelle die internen Links von den alten auf die neuen URLs um [6]. Jede neue URL braucht ein auf sich selbst verweisendes Canonical-Tag; hreflang-Angaben mehrsprachiger Seiten stellst du auf die neuen URLs um [6]. Anschließend reichst du die neue Sitemap in der Search Console ein, damit Google die neuen URLs kennenlernt [6].
Eine neue Website muss nicht nur besser aussehen, sondern auch rechtliche und technische Anforderungen erfüllen: Barrierefreiheit, eine korrekte Einwilligung für Cookies und Tracking, gute Ladezeiten und eine saubere Basis für die Suche. Ein Relaunch ist ein guter Zeitpunkt, all das von Anfang an einzuplanen.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist am 28. Juni 2025 in Kraft getreten [8]. Erfasst sind unter anderem Websites und Apps, über die Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen vertreiben, etwa Onlineshops [8].
Die EN 301 549 gilt zum Beispiel als harmonisierte Norm für IKT-Produkte und -Dienste; laut IHK ist davon auszugehen, dass sie auch für das BFSG maßgeblich sein wird [8].
Bei Verstößen sind unter anderem Bußgelder bis 100.000 Euro möglich [8]. Was das Gesetz konkret verlangt, erklären wir im Beitrag zum BFSG und zur Barrierefreiheit von Websites.
Informationen im Endgerät zu speichern oder darauf zuzugreifen, etwa über Cookies, ist nach § 25 TDDDG nur mit Einwilligung zulässig. Ausgenommen ist, was für einen ausdrücklich gewünschten Dienst unbedingt erforderlich ist [9]. Für den Relaunch heißt das: Consent-Lösung und Tracking werden gemeinsam geplant und getestet, nicht nachträglich ergänzt. Wie ein sauberes Setup aussieht, beschreibt unsere Seite zum Tracking-Setup.
Core Web Vitals messen Ladeleistung, Interaktivität und visuelle Stabilität [10]. Google nennt als Zielwerte: LCP innerhalb der ersten 2,5 Sekunden, INP unter 200 Millisekunden und CLS unter 0,1 [10]. Gute Werte entsprechen laut Google dem, was die zentralen Ranking-Systeme belohnen wollen [10]. Setze diese Werte als Anforderung ins Lastenheft, statt sie nach dem Go-live zu reparieren.
Für Googles AI Overviews und den AI Mode gibt es keine zusätzlichen Anforderungen und keine nötigen Spezialoptimierungen [11]. Voraussetzung ist, dass eine Seite indexiert ist und mit Snippet in der Google-Suche erscheinen kann; die SEO-Grundlagen gelten weiter [11]. Ein technisch sauberer Relaunch ist damit auch die Grundlage für Sichtbarkeit in KI-Antworten.
Viele typische Fehler entstehen nicht im Design, sondern an den Übergängen: bei Inhalten, Weiterleitungen, Sperren und Tracking. Diese sieben solltest du kennen.
| Phase | Prüfpunkt |
|---|---|
| Analyse und Ziele | Ziele schriftlich festgelegt [4] |
| Analyse und Ziele | Content-Audit durchgeführt [4] |
| Analyse und Ziele | Onpage-Crawl gemacht und URL-Liste gesichert [5] |
| Konzept und Umsetzung | URL-Mapping von alten auf neue URLs erstellt [6] |
| Konzept und Umsetzung | Staging-Umgebung für Crawler gesperrt [5] |
| Konzept und Umsetzung | Barrierefreiheit, Einwilligung und Core Web Vitals als Anforderungen festgehalten [8] [9] [10] |
| Test | Funktionen, Usability und Content geprüft [4] |
| Test | Weiterleitungen stichprobenartig und für wichtige Seiten vollständig getestet |
| Test | Tracking-Codes eingebunden [5] |
| Go-live | Termin in einer Phase mit wenig Traffic [6] |
| Go-live | Migrationssperren (noindex, robots.txt) entfernt [6] |
| Go-live | Interne Links, Canonicals und Sitemap aktualisiert, Sitemap in der Search Console eingereicht [6] |
| Nach dem Start | Nutzung von alter und neuer Website mit Web-Analytics verglichen [6] |
| Nach dem Start | Weiterleitungen mindestens ein Jahr aktiv gelassen [6] |
Ein mittelständischer Maschinenbauer betreibt seine Website seit Jahren auf einem veralteten CMS. Die Seite ist zweisprachig und über die Zeit gewachsen, die Geschäftsführung will mehr qualifizierte Anfragen.
Das Team beginnt nicht mit Designentwürfen, sondern mit einer Zielanalyse und einem Crawl der bestehenden Website. Beim Content-Audit zeigt sich, dass sich viele Produktseiten überschneiden. Sie werden zusammengeführt; jede wegfallende URL erhält im URL-Mapping ein passendes neues Ziel und eine serverseitige permanente Weiterleitung. Den Go-live legt das Team in eine ruhige Woche. Als die Rankings in den ersten Wochen schwanken, prüft es Weiterleitungen und Indexierung, statt Inhalte umzubauen. Die Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr bestehen [6].
Nicht zwangsläufig. Vorübergehende Schwankungen während des Umzugs sind laut Google zu erwarten [6]. Mit serverseitigen permanenten Weiterleitungen von allen alten auf passende neue URLs folgst du der zentralen Empfehlung von Google [6].
Ausgenommen sind Dienstleister, die Kleinstunternehmen sind: weniger als zehn Beschäftigte und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme [8]. Für Kleinstunternehmen, die bestimmte digitale Produkte in Verkehr bringen, greift die Ausnahme nicht [8]. Im Zweifel lässt du das rechtlich prüfen.
Google empfiehlt, den Umzug möglichst in eine Phase mit wenig Traffic zu legen [6]. Rechne außerdem damit, dass Google die neue Website danach vorübergehend stärker crawlt als üblich, und stimme das mit deinem Hosting ab [6].
Nein. Laut Google gibt es für AI Overviews und den AI Mode keine zusätzlichen Anforderungen [11]. Entscheidend ist, dass deine Seiten indexiert sind und mit Snippet angezeigt werden können [11].
Möglich ist es, aber du verschenkst die Chance zur Bestandsaufnahme. Ein Content-Audit zeigt Lücken und Potenziale im Bestand [4]. Ist nur der Content veraltet, die Technik aber solide, ist eine Überarbeitung der Inhalte oft sinnvoller als ein kompletter Relaunch [3].
Nur als Notlösung. Google rät, JavaScript-Weiterleitungen nur zu nutzen, wenn serverseitige oder Meta-Refresh-Weiterleitungen nicht möglich sind [7]. Für einen Umzug empfiehlt Google serverseitige permanente Weiterleitungen [6].
Ein Website-Relaunch ist vor allem ein Planungsprojekt. Wer Ziele, URL-Bestand und Inhalte vor dem Design klärt, senkt Kosten- und Ranking-Risiken. Die wichtigsten Kosten-Treiber – Umfang, Technikwechsel, individuelles Design, neue Inhalte und Sprachen – lassen sich vorab einschätzen, auch ohne dass schon ein Preis feststeht. Und viele typische Fehler, von vergessenen Sperren bis zu fehlendem Tracking, verhindert eine saubere Checkliste für den Go-live.
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